Die USA bekämpfen iranische Drohnen mit Raketen, die gegen sowjetische Bomber entwickelt wurden. Die Islamische Republik greift die US-Partner am Persischen Golf und US-Stützpunkte in der gesamten Region mit Drohnen an, die weniger kosten als ein Gebrauchtwagen. Die USA wollen sie mit teuren und aufwendig produzierten Raketen stoppen.
Von Jordan Schachtel
Glaubt man den Medienberichten vom vergangenen Wochenende, so gehen Amerika im aktuellen Konflikt mit der Islamischen Republik Iran die defensiven Abfangraketen kritisch zur Neige; dies lässt der Trump-Regierung weniger Spielraum, um glimpflich aus der Auseinandersetzung hervorzugehen.
Während dieses Konflikts hat das iranische Regime Tausende kostengünstiger Drohnen und Raketen auf US-Militärstützpunkte sowie auf praktisch alle unsere Verbündeten in der Region abgefeuert. Sie trafen Flughäfen, Öl- und Energieanlagen und griffen amerikanische Einrichtungen an, darunter Al Udeid in Katar, Al Dhafra in den Emiraten, Ali Al Salem in Kuwait sowie einen Stützpunkt in Jordanien, bei dem US-Soldaten ums Leben kamen. Den größten Schaden richtete der Iran mit billigen Drohnen und ballistischen Waffen an, die in großen Mengen beschafft wurden. Während die modernsten und teuersten ballistischen Raketen von amerikanischen und israelischen Langstrecken-Abwehrsystemen neutralisiert wurden, erfüllt dieser „Schrott“ seinen Zweck: Er zehrt unsere Arsenale auf und zwingt uns zu einer kostspieligen Verteidigung.
Die von unseren Partnern veröffentlichten Zahlen sprechen Bände. In der Anfangsphase meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) die Erfassung von 174 ballistischen Raketen und 689 Drohnen. Kuwait meldete den Abschuss von 97 ballistischen Raketen und 283 Drohnen. In den darauffolgenden Monaten hat der Iran natürlich Tausende weitere Drohnen und ballistische Raketen auf Ziele der Verbündeten abgefeuert. Es ist offensichtlich, dass es dem amerikanischen Verteidigungsapparat nicht gelungen ist, das volle Ausmaß der iranischen Bestände an ballistischen Raketen und Drohnen präzise einzuschätzen.
Mittlerweile greifen Amerika und seine Verbündeten allzu oft dazu, Drohnen und minderwertige ballistische Raketen mit extrem teuren Waffen abzuwehren, die wir nicht in kurzer Zeit nachproduzieren können. Eine iranische Angriffsdrohne der Shahed-Klasse kostet Teheran zwischen 20.000 und 50.000 US-Dollar. Die aktuelle Raketenvariante des Patriot-Systems – die „Patriot Advanced Capability-3 Missile Segment Enhancement“ (PAC-3 MSE) – kostet rund 4 Millionen US-Dollar, ein Abfangflugkörper des THAAD-Systems (Terminal High Altitude Area Defense) etwa 13 Millionen US-Dollar. Bisweilen werden zwei oder drei dieser Flugkörper auf ein Ziel abgefeuert, um dessen sichere Zerstörung zu gewährleisten.
Alle Beteiligten der Koalition befinden sich in einer suboptimalen Lage; dies führt zu dem Dilemma, vor dem das Weiße Haus heute steht. Am Freitagabend wurden Berichte bekannt, wonach die Trump-Regierung eine zweiwöchige Luftangriffskampagne ausgesetzt hatte, nachdem hochrangige Vertreter – darunter General Dan Caine – Bedenken hinsichtlich der Munitionsversorgung geäußert hatten.
Kein Waffensystem im amerikanischen Arsenal wurde für den Abschuss kostengünstiger Ziele konzipiert. Das Patriot-Programm nahm seinen Anfang mit einer Anforderung der US-Armee aus dem Jahr 1961. Das THAAD-System wurde 1987 vorgeschlagen, doch die erste Einheit wurde erst 2008 in Dienst gestellt. Das gesamte System wurde vor vielen Jahrzehnten entwickelt, um sowjetische Bomber und Scud-Raketen abzufangen. Dabei handelte es sich um derart teure Ziele, dass niemand Bedenken hatte, einen Millionen Dollar teuren Abfangflugkörper gegen das Zielobjekt einzusetzen. Natürlich möchte niemand, dass die Vereinigten Staaten Verluste erleiden, nur weil man den Einsatz teurer Raketen gegen preiswerte Angriffssysteme scheut. Dennoch ist offensichtlich, dass Amerika nicht über die Produktionskapazitäten verfügt, um diesen Status quo über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten.
Während des gesamten amerikanischen „Kriegs gegen den Terror“ (Global War on Terror – GWOT) spielte die Bedrohung durch nichtstaatliche oder staatliche Akteure mit riesigen Drohnenflotten und/oder billigen ballistischen Langstreckenwaffen kaum eine Rolle. Erst in den letzten Jahren hat sich diese Bedrohung auf dem Schlachtfeld massiv ausgebreitet. Leider sind Systeme, die für diese Art der Abwehr weitaus effizienter wären – wie etwa Laser- oder Mikrowellenwaffen – noch nicht einsatzreif.
Das tieferliegende Problem ist nicht die Rakete an sich, sondern ihr Innenleben. Jede Rakete benötigt Sprengstoff und Treibstoff, und in diesem Bereich hinken die amerikanischen Produktionskapazitäten hinterher. Die USA haben ihr eigenes Trinitrotoluol – den militärischen Standardsprengstoff, besser bekannt als TNT – zuletzt 1986 hergestellt. Heute beziehen wir es von einem einzigen europäischen Lieferanten, während erst jetzt eine neue Produktionsstätte in Kentucky errichtet wird. Das „Radford Army Ammunition Plant“ in Virginia ist der einzige Standort im Land, an dem Nitrocellulose – der Grundstoff für Schießpulver und Treibladungen für Artillerie – hergestellt wird; die Anlage stammt aus dem Jahr 1941. Im Grunde ist nur ein einziges Unternehmen für die Lieferung der Chemikalie zertifiziert, die den Abbrand von Feststoffraketentreibstoff ermöglicht; die Genehmigung für ein neues Werk dauert etwa ein Jahr, der Bau fast ein Jahrzehnt. Die Zahl der amerikanischen Unternehmen, die Feststoffraketenmotoren herstellen, sank zwischen 2000 und 2015 von sechs auf zwei.
Während amerikanische Fabriken geschlossen und nie wieder aufgebaut wurden, verlagerte sich die Produktion ins Ausland, da viele dieser Fertigungsprozesse unrentabel sind, solange sich die USA nicht im Kriegszustand befinden. Offenbar gingen Vertreter des Pentagon davon aus, dass die Privatwirtschaft ungenutzte Kapazitäten aufrechterhalten würde, ohne dafür bezahlt zu werden – so als ob der Markt eine funktionierende Fabrik ganz von selbst und ohne Anreize bereitstellen würde. Riesige Summen fließen in beeindruckende technologische Anwendungen – wie unser jährliches Verteidigungsbudget von einer Billion Dollar belegt –, doch zu wenig Geld wird in die Hardware und die wenig spektakulären Produktionsstätten investiert, die dahinterstehen.
Die USA fertigen jährlich rund 600 Patriot-Abfangraketen, von denen die Hälfte bereits für die achtzehn anderen Länder reserviert ist, die das Patriot-System nutzen. Boeing produziert in einem einzigen Werk in Huntsville, Alabama, den Suchkopf – das kleine Radar in der Raketenspitze, das das Ziel erfasst – für jede dieser Raketen. Die Herstellung der Rakete selbst dauert 24 Monate, die ihres Triebwerks 30 Monate.
Das Regime in Teheran muss unsere Luftverteidigung nicht durch qualitative Überlegenheit besiegen. Es muss lediglich weiterhin billige Drohnen gegen Dubai, Kuwait und amerikanische Stützpunkte im Ausland schicken, um unser Arsenal so weit zu erschöpfen, dass unsere Reserven auf ein kritisches Niveau sinken. Da die USA nicht über die Kapazitäten verfügen, diese Verteidigungssysteme in raschem Tempo zu produzieren, ist es an der Zeit, eine grundlegende Überarbeitung unserer aktuellen Abschussstrategie aus der Zeit des Kalten Krieges in Erwägung zu ziehen – zumindest so lange, bis neue Technologien verfügbar sind oder eine schnellere Produktion ermöglicht wird.
Übersetzt aus dem Englischen
