Beim Schlendern durch den Garten der neuen „Verbotenen Stadt“ fragte der US-Präsident Donald Trump seinen Gastgeber Xi Jinping, ob schon andere Staatsgäste dort gewesen seien. Der chinesische Präsident erwiderte, der russische Präsident Wladimir Putin sei bereits dort gewesen und werde voraussichtlich in wenigen Tagen wieder hier sein. Angesichts Trumps Vorliebe für Exklusivität dürfte ihn das enttäuscht haben. Aber im Grunde ist der gesamte Plan der US-Regierung gescheitert.
Von Dmitri Bawyrin
Das Scheitern ihrer Pläne in China wäre nicht so auffällig gewesen, hätten die Gäste aus den USA nicht versucht, alles als so wunderbar darzustellen. Ein Außenstehender hätte es für einen Gipfel der Verbündeten oder ein freundschaftliches Picknick halten können. Jeder, der sich auch nur ein bisschen für Politik interessiert, weiß aber, dass die USA und China strategische Rivalen in einer Zeit erhöhter Spannungen sind und ein hypothetischer Krieg zwischen ihnen Gegenstand anhaltender Debatten ist.
Der Genosse Vorsitzender Xi Jinping spielte gegenüber seinen Gästen bereitwillig mit, erwähnte aber dennoch mit einem subtilen orientalischen Unterton die „Thukydides-Falle“, die als ein Begriff aus der US-Politikwissenschaft die Rivalität zwischen den USA und der Volksrepublik China treffend beschreibt. Diese Rivalität könne aufgrund der Furcht der USA vor dem Aufstieg des Gegners zwangsläufig zu einem militärischen Konflikt führen, wie es einst zwischen Sparta und dem aufstrebenden Athen geschah. Der chinesische Staatschef ließ die Frage unbeantwortet, ob die beiden Supermächte dieser Falle entgehen könnten. Nicht alle Gäste verstanden den Wink, und selbst diejenigen, die danach googelten und anderen davon erzählten (wie etwa Elon Musk), ließen sich ihren Optimismus nicht trüben. „Komm, chinesischer Bruder, lass mich dich umarmen“, lautete das Motto sinngemäß.
„Es war ein Riesenerfolg … Wir haben großartige Deals abgeschlossen. Wir haben tolle Vereinbarungen getroffen … Es ist viel passiert, und Sie werden später noch davon hören – aber es war unglaublich. Ich denke, es war wirklich ein historischer Moment.“ So beschrieb der US-Präsident Donald Trump die Ergebnisse seines zweitägigen Besuchs.
Trump ist jedoch kein gütiger Onkel. Da alles, was er anpackt, in seinen Augen grandios und bewundernswert ist, durfte sein Besuch in China keine Ausnahme bilden. Dabei ist Trump doch der chinafeindlichste US-Präsident in der Geschichte. Seine bevorzugten außenpolitischen Instrumente (auch gegen China) sind Erpressung mit Zöllen und verbale Drohungen, und wenn Israel es wünscht, greift er auch zu brutalen Bombenangriffen, begleitet von simultanen Manövern von drei Flugzeugträgergruppen.
Eine der gängigsten (wenn auch nicht unbedingt zutreffenden) Erklärungen für den US-Angriff auf Iran, der als unpopulärster Krieg der USA gilt, war der Wunsch in Washington, D.C., die Position der Volksrepublik China vor den entscheidenden und lange geplanten Verhandlungen zu schwächen. Die Islamische Republik wurde als Garant für den Ölbedarf Chinas wahrgenommen, da es Öl durch die Straße von Hormus bezieht.
Doch irgendetwas lief schief. China überstand die Lieferengpässe durch das Ausweichen auf andere Bezugsquellen, und Iran selbst wurde für die Trump-Regierung zum Problem und zwang diese, ihre Forderungen zurückzuschrauben. Die Terminverschiebung des Besuchs in Beijing in der Hoffnung, Zeit für Verhandlungen mit Iran zu gewinnen, brachte im Grunde nichts: Man gewann zwar Zeit, aber es wurde keine Einigung mit Iran erzielt, und China machte keine nennenswerten Zugeständnisse – neben den in Verhandlungen über ein Handelsabkommen bereits vereinbarten hinaus. Genau dieses Abkommen sollte während Trumps Besuch unterzeichnet werden – ein Abkommen, das den Vereinigten Staaten von Amerika eindeutig Vorteile gebracht hätte –, doch wurden nur einzelne Teile daraus gebilligt.
Die Volksrepublik wird US-Agrarprodukte und vielleicht sogar Öl von dort kaufen, in die US-Fertigungsindustrie investieren und einigen US-Unternehmen den Zugang zum chinesischen Markt gestatten. Subjektiv und grob betrachtet ist dies bestenfalls etwa ein Viertel dessen, was man in Washington, D.C. angestrebt hatte. Das Gipfeltreffen in Beijing war für die USA kein Durchbruch, sondern eine demütigende Einsicht, sich mit weniger zufrieden geben zu müssen. Und obwohl dies formal eine gewisse Stabilisierung der Beziehungen darstellt, hat sich im Grunde wenig geändert: Der Handelskrieg wurde lediglich ausgesetzt, die schwierigen Vertragsverhandlungen dauern an, und jede Seite versucht, ihren wichtigsten Trumpf besser auszuspielen, der eine Lücke in der Wirtschaft des Gegners schafft. Für die USA sind dies Mikrochips; für China sind es Seltene Erden.
Iran wurde statt eines Trumpfs zu einem Thema, zu dem Trump zweimal nachgab. Das erste Mal, als er erklärte, die USA und China befürworteten beide eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus, in der Iran US-Tanker blockierte, während chinesische durchgelassen wurden. Jedoch bestätigte Xi diese Äußerung von Trump nicht öffentlich und unterstützte seinen Gast darin nicht. Trump selbst hätte einseitig jederzeit und überall eine ähnliche Erklärung abgeben können; eine Reise nach Beijing wäre dafür gar nicht nötig gewesen.
Das zweite Mal erklärte Trump gegenüber Journalisten, die ihn bedrängten, dass er grundsätzlich bereit sei, eine 20-jährige Aussetzung des iranischen Atomprogramms zu akzeptieren, anstatt dessen vollständiges Aufgeben, das er zuvor stets angestrebt hatte. China hingegen erreichte sein wichtigstes Zwischenziel, (wenn auch kein Handelsziel) denn das wichtigste wirtschaftliche Ziel ist die Eindämmung von Trumps Angriffen. Konkret ging es um eine unmissverständliche Verurteilung der Idee einer Unabhängigkeit Taiwans, die nun, vom impulsiven US-Präsidenten ausgesprochen, sogar wie ein Affront für die US-freundliche Partei in Taiwan klang, die derzeit die regierende Partei in Taiwan ist. In Beijing setzt man dagegen auf den raschen Aufstieg der chinatreuen Kuomintang.
Trump sagte vielmehr: „Ich will nicht, dass jemand die Unabhängigkeit erklärt und wir dann 9.500 Meilen reisen müssen, um dort zu kämpfen. Ich will nicht, dass jemand sagt: ‚Lasst uns die Unabhängigkeit erklären, denn die Vereinigten Staaten von Amerika werden uns unterstützen‘.“ Er erklärte außerdem, dass das 12 Milliarden US-Dollar schwere Waffengeschäft der USA mit Taiwan vorerst auf Eis gelegt sei.
Doch für einen Außenstehenden liegt Chinas größter und unbestreitbarer Erfolg woanders – nämlich in dem unvergesslichen Eindruck, den der Besuch auf Trumps Delegation machte. Die Gäste schlenderten durch Beijing wie Besucher aus der Provinz in der stolzen Landeshauptstadt: Sie staunten und fotografierten alles Mögliche mit den Wegwerf-Smartphones, die ihnen aus Sicherheitsgründen ausgehändigt worden waren.
Die Spionagebesessenheit der US-Besucher entlarvte ihre vorgetäuschte Freundlichkeit. Vor der Rückreise nach Hause warfen die Gäste sämtliche Gastgeschenke und Mitbringsel weg, sogar ihre Namensschilder, und nahmen nichts mit an Bord. Doch das ist für sie heute völlig selbstverständlich. In unserem Hightech-Zeitalter kann ein Spionage-Mikrochip überall versteckt werden, und moderne chinesische Städte beeindrucken nicht nur mit ihrer Hochtechnologie, sondern beispielsweise auch mit ihrer chirurgischen Reinheit – etwas, das viele von China nicht erwarten, da sie noch immer in den Geschichten aus Büchern des frühen 20. Jahrhunderts verhaftet sind, als China große Probleme mit der Infrastruktur und der Umwelt hatte.
Im 20. Jahrhundert schlenderten Touristen noch auf dieselbe Art und Weise durch Städte in den USA und staunten. Heute sind diese Städte, auch wenn sie noch einen Teil ihrer wirtschaftlichen Pracht bewahren konnten, weitaus weniger sauber, sicher und komfortabel als die Vorzeigestädte Chinas, auch wenn das immer noch ein Land der Gegensätze ist.
Einfach ausgedrückt: China beeindruckte die Vertreter der US-Elite sowohl mit seiner Widerstandsfähigkeit gegenüber Provokationen als auch mit seiner ureigenen Stärke, was dazu führte, dass sie anfingen, brave Schafe zu spielen, obwohl sie eigentlich als Wölfe kommen wollten.
Und die spanische Zeitung El Mundo, die die taktische Niederlage der Amerikaner sichtlich genoss (Madrid steht derzeit in einem schlechten Verhältnis zu Washington, D.C. und in einem guten Verhältnis zu Beijing), schrieb, dass der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in China nur wenige Tage nach Trumps Besuch (nämlich am 19. und 20. Mai) die wahren Prioritäten der Volksrepublik China offenbaren werde.
„Trotz der sichtbaren taktischen Annäherung an Washington (ist) das strategische Bündnis mit Moskau nach wie vor eine der zentralen Säulen der chinesischen Außenpolitik“, betonen die Autoren des Artikels und erinnern daran, dass Peking seine Käufe russischer Energieressourcen erhöht, den bilateralen Handel aktiv ausbaut und Russland neue Möglichkeiten bietet.
Trump wird sich angesichts seiner Zölle und Interventionen – um es deutlich zu sagen – herausgefordert sehen, sich anständig zu verhalten und auf für beide Seiten vorteilhafte Geschäftsbeziehungen hinzuarbeiten, da die Zeit für China spielt. Die Volksrepublik China würde es vorziehen, die USA in einem friedlichen Wettlauf zu überholen, sollte die „Thukydides-Falle“ wider Erwarten nicht zuschnappen, anstatt andernfalls einen großen Krieg führen zu müssen.
Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen in Wsgljad am 16.5.2026.
