Die MAGA-Vision hat nicht zuletzt einen von Trump unerwarteten Effekt auf die Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik China. Sie wird sich als eine verwirrter Versuch einer „neuen“ Strategie erweisen, die schwindende Vormachtstellung der USA in der Welt mit veralteten Mitteln wiederherzustellen.
Von Laura Ruggeri
Vor vier Jahren, als die Biden-Regierung ihr Amt antrat, skizzierte ich in einem langen Artikel mit dem Titel „Hybrid War on China“, der später in einem chinesischen Nachrichtensender veröffentlicht wurde, die wahrscheinliche Richtung ihrer zukünftigen Chinapolitik. Ich argumentierte, dass die USA angesichts der Entstehung einer multipolaren Weltordnung immer verzweifelter versuchen würden, den Niedergang ihrer Hegemonie aufzuhalten. Und sie würden eine aggressive Politik verfolgen, die auf der starren Durchsetzung ihrer liberalen Ideologie beruht. Ich erwartete, dass sie dies weiterhin als einen existenziellen Kampf zwischen Demokratie und Autoritarismus darstellen würden, obwohl dieses Narrativ und die dem zugrunde liegende Ideologie zunehmend ineffektiv wurden – viele Gesellschaften hatten Antikörper gegen diese messianische Förderung des westlichen Liberalismus entwickelt. Meine Analyse hat die Prüfungen der Zeit bestanden, bis schließlich die Biden-Regierung auf dem Müllhaufen der Geschichte landete. Um nun über die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen den USA und China zu spekulieren, müssen wir diese Analyse überarbeiten, um die ideologische Ausrichtung, die Ambitionen und die umfassenden Reformen der neuen Regierung zu berücksichtigen.
Trumps Team vertritt völlig verschiedene Ansichten darüber, wie sich der Einfluss der USA im Wettbewerb mit China behaupten lässt. Die ideologischen Vorurteile und Eigeninteressen von Trumps Beratern und Anhängern könnten die Dissonanz in den Botschaften des Präsidenten und seiner Regierung erklären. Marco Rubio, Trumps Außenminister, betrachtet China als totalitäre Bedrohung des US-amerikanischen Einflusses, und Michael Waltz, der Nationale Sicherheitsberater, sieht eine Herausforderung durch China auch in ideologischer und existenzieller Hinsicht und betont die langfristigen Auswirkungen des Aufstiegs Chinas. Elon Musk hingegen bewundert Chinas technologischen und industriellen Fortschritt und lehnt eine wirtschaftliche Abkopplung von China ab. Er plädiert für einen kooperativen statt konfrontativen Ansatz und positioniert sich als Vermittler zwischen den USA und China.
Während einige Analysten glauben, dass diese Dissonanz lediglich das Ergebnis der Vielfalt von Perspektiven ist, betrachten andere sie als einen bewussten Akt der Doppelzüngigkeit, der darauf abzielt, Peking aus dem Gleichgewicht zu bringen, damit die derzeitige Regierung ihre Initiativen vorantreiben kann und dabei ein geringeres Risiko von Repressalien eingeht.
Sechs Monate vor Trumps Wahl zum Präsidenten hatte die Heritage Foundation, der konservative Thinktank, der das Projekt 2025 – eine Art Fahrplan für Trump 2.0 – führte, tatsächlich eine solche Politik der bewussten Zweideutigkeit gegenüber China empfohlen, um Tempo, Tenor und Konturen des chinesisch-US-amerikanischen Wettbewerbs in den kommenden Jahren zu bestimmen.
Die Brookings Institution, ein überparteilicher Think Tank, wiederholte diese Empfehlung, als Trump sein Kabinett bildete.
Unabhängig davon, ob diese Zweideutigkeit strategischer Natur ist oder nicht, ist es aufgrund der Unberechenbarkeit von Trumps Vorgehen – einer Flut explosiver und oft widersprüchlicher öffentlicher Äußerungen, einem raschen Wechsel von Drohungen und Provokationen zu herzlicher persönlicher Diplomatie – äußerst schwer vorherzusagen, was er letztlich tun könnte. Während seiner ersten Präsidentschaft folgten die US-amerikanisch-chinesischen Beziehungen weitgehend langfristigen Trends. Washington unterstützte und dirigierte weiterhin regierungsfeindliche Kräfte in Hongkong, als diese die Stadt in ihrem Versuch einer Farbrevolution in Brand steckten, der deren Status als globales Handels- und Finanzzentrum untergraben sollte. Es schürte die antichinesische Hysterie in den Medien und verhängte Sanktionen, als die lokalen Behörden die Ordnung wiederhergestellt hatten.
Dass Trump im Hinblick auf das US-Handelsdefizit China zum Sündenbock machte, führte im Mai 2019 spontane zu Zöllen gegen China, die in der Folge zu einem Rückgang der Aktienkurse in ganz Asien führten, was Wellen rund um den Globus auslöste.
Biden nahm die von Trump verhängten Zölle nie zurück. Ganz im Gegenteil erhöhte die Biden-Administration den Druck gegenüber China sogar noch, indem sie Exportkontrollen für US-Hightech-Produkte verhängte – darunter auch für höchstintegrierte Halbleiter-Schaltkreise, die für Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz kommen. Zudem erhöhte sie den Druck, indem sie dafür auch europäische und asiatische Verbündete einspannte.
Einige Forscher meinen, Trumps irrationales und unbeständiges Verhalten mache ihn zum idealen Vermittler einer US-Politik, die auf der strategischen Ambiguität beruht, die während der Regierung Nixon große Verbreitung fand und als „Madman Theory“ bezeichnet wurde. Sie geht aber mindestens auf das Jahr 1517 zurück, als Niccolò Machiavelli in „Der Fürst“ schrieb, manchmal sei es „sehr klug, Wahnsinn vorzutäuschen“. Die Andeutungen einer solchen Idee, die in Machiavellis Werk auftauchten, inspirierten schließlich einen Kreis von Gelehrten der Harvard University ( zu dem auch Henry Kissinger gehörte), Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre über die Grenzen der Rationalität in der großen Strategie nachzudenken: Ein rationaler US-Präsident würde eine nukleare Konfrontation um jeden Preis vermeiden wollen, doch ein „überzeugend verrückter“ Präsident könnte glaubhaft mit großen Risiken drohen und so den Gegner als Ersten zum Einlenken bringen.
Sicher ist, dass die US-Politik der strategischen Zweideutigkeit gegenüber China schon vor Trumps Präsidentschaft bestand. In den letzten zehn Jahren hat sich Washingtons Haltung gegenüber China dramatisch verändert. Von der einstigen Betrachtung als Partner in der Weltordnungspolitik hin zur Beschreibung als strategischer Konkurrent oder zur Etikettierung als systemischer Rivale, der die US-Interessen direkt infrage stellt.
Sehen wir uns die Sprache an, die das neue US-Außenministerium in einer Erklärung zu den Beziehungen zwischen den USA und China vom 13. Februar 2025 verwendet hat:
„Die Vereinigten Staaten arbeiten daran, Chinas Aggression abzuschrecken, Chinas unfaire Handelspolitik zu bekämpfen, Chinas bösartige Cyberaktivitäten zu bekämpfen, Chinas weltweiten Handel mit Fentanyl-Vorläufersubstanzen zu beenden, Chinas Manipulation internationaler Organisationen einzudämmen und die Rechenschaftspflicht für Chinas Menschenrechtsverletzungen in China und weltweit zu fördern. […] In ihren bilateralen Wirtschaftsbeziehungen mit China werden die Vereinigten Staaten die US-Interessen und die des amerikanischen Volkes an erste Stelle setzen und darauf hinwirken, Chinas missbräuchliche, unfaire und illegale Wirtschaftspraktiken zu beenden.“
Das klingt sicherlich kriegerisch, aber wir sollten diese Rhetorik in den richtigen Kontext stellen. Eine feindselige Haltung, um den Gegner einzuschüchtern und zu dominieren, ist ein wesentlicher Bestandteil der aggressiven Verhandlungstaktik, die Trump und sein Team bevorzugen. Diese Absichtserklärung, die aus dem verlogenen Repertoire der antichinesischen Propaganda schöpft, scheint darauf ausgerichtet zu sein, den Einsatz im Handelskrieg mit China zu erhöhen und gleichzeitig zu vermeiden, Pekings rote Linien zu überschreiten.
Eine weitere Provokation aus jüngster Zeit, die als Verhandlungsspielraum dienen sollte, betrifft Taiwan. Während Taipeh mit Washington über Waffenkäufe im Wert von 7 bis 10 Milliarden US-Dollar verhandelte, darunter Marschflugkörper zur Küstenverteidigung und HIMARS-Raketen, mussten die USA Taipehs Stimmung aufhellen. Zu diesem Zweck entfernte die offizielle Website des US-Außenministeriums die Aussage, dass die USA „Taiwans Unabhängigkeit nicht unterstützen“ würden, aus dem Informationsblatt über ihre Beziehungen zu Taiwan. Falls Sie sich wundern: Auf derselben Seite wurde Washingtons Festhalten an der „Ein-China-Politik“ bekräftigt. Offensichtlich gilt das Prinzip der Widerspruchsfreiheit nicht für offizielle US-Erklärungen.
Die neue Regierung setzte in der Taiwan-Frage die traditionelle US-Politik der „konstruktiven Zweideutigkeit“ fort, die fester Bestandteil sowohl des 1952 von John Foster Dulles orchestrierten Vertrags von San Francisco als auch des 1972 während Nixons China-Besuch veröffentlichten Schanghai-Kommuniqués war.
Im Mai 2022 hatte die Biden-Regierung zudem Formulierungen wie „unterstützt keine Unabhängigkeit Taiwans“ von ihrer Website entfernt, nur um sie weniger als einen Monat später stillschweigend wiederherzustellen.
Da die Taiwan-Frage eine „Trumpfkarte“ ist, die Washington regelmäßig ausspielt, um sowohl gegenüber Peking als auch gegenüber Taipeh Druck auszuüben, ist es unwahrscheinlich, dass die USA ihre derzeitige Politik gegenüber Taiwan aufgeben.
Trump ernannte Ivan Kanapathy zum leitenden Direktor für China- und Ostasienpolitik im Nationalen Sicherheitsrat (NSC). Als ehemaliger Marine war er in der vorherigen Trump-Regierung Direktor für China, Taiwan und die Mongolei im NSC, nachdem er als Militärattaché in Taiwan gedient hatte. In mehreren Artikeln, die er für Foreign Affairs, Foreign Policy und für die Thinktanks, denen er angehört (CSIS, Council on Foreign Relations und Beacon Global Strategies), verfasste, argumentierte er, dass das Angebot einer bedingungslosen Sicherheitsgarantie für Taipeh radikale Fraktionen für die Unabhängigkeit könnte, die weniger vorsichtig gegenüber Pekings roten Linien sind. Er bekräftigte, dass es nicht im Interesse der USA sei, China unnötig zu provozieren, und dass eine Sicherheitsgarantie durch allgemeine militärische Abschreckung kontraproduktiv wäre, weil das den Druck auf die taiwanischen Behörden verringern würde, die Verteidigungsausgaben weiter zu erhöhen, und wirksame Fähigkeitsverbesserungen wie zusätzliche Verteidigungswaffen und Drohnen marginalisieren würde. Kanapathy verbreitete auch seine Ansicht, dass Trump wahrscheinlich einen größeren Schwerpunkt auf die „Reduzierung von Trittbrettfahrern“ legen werde. Mit anderen Worten: Die US-Vasallen im Asien-Pazifik-Raum werden ebenso wie ihre europäischen Gegenstücke unter Druck gesetzt, mehr für ihre Verteidigung auszugeben und somit mehr Waffensysteme in den USA zu kaufen.
Es wurde auch vorgeschlagen, dass man in Washington, D.C. bemüht sein sollte, wichtige Akteure im globalen Süden wie Indien und Vietnam stärker in die USA einzubinden. So wurde beispielsweise die Unterstützung der Rolle Indiens in Zentralasien oder auf den Rüstungsmärkten als Strategie vorgeschlagen, um Russlands Position herauszufordern und Reibereien mit China zu erzeugen.
Trotz aller Provokationen, die man in Washington – vor allem durch Stellvertreter – auch weiterhin orchestrieren wird, haben die USA einen zwingenden Grund, einen umfassenden Konflikt mit China zu vermeiden. Das Pentagon ist sich bewusst, dass sich das militärische Gleichgewicht im asiatisch-pazifischen Raum nicht zu seinen Gunsten verschoben hat. Laut seinem jüngsten Jahresbericht über China verfügt dieses Land heute über die größte Marine der Welt und die größten Luftstreikräfte in der Region – und man sollte bedenken, dass China, anders als die USA, diese beträchtlichen Mittel fast ausschließlich im asiatisch-pazifischen Raum einsetzen kann.
Obwohl Washington bei der Reorganisation seines militärisch-industriellen Komplexes wahrscheinlich jede kinetische Eskalation vermeiden wird, ist die neokonservative außenpolitische Elite mit ihrer politischen Maschinerie ein Joker – sie hat trotz katastrophaler Misserfolge jahrzehntelang unkontrolliert agiert. Auch wenn diese Elite an den Rand gedrängt zu sein scheint, sollten wir nicht vergessen, dass sie die Fähigkeit hat, sich anzupassen, sich neu zu erfinden und jede US-Regierung zu infiltrieren, und dass sie ein begründetes Interesse daran hat, Konflikte zu schüren und militärische Maßnahmen zu fordern.
Die chinesisch-russische Partnerschaft – ein Bollwerk gegen die Bemühungen der USA, China zu untergraben
Die verstärkte, für beide Seiten vorteilhafte strategische Partnerschaft zwischen China und Russland, jener „strategische Albtraum“ für die USA, vor dem der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzeziński vor fast dreißig Jahren warnte, macht es für Washington deutlich schwieriger, China in den Griff zu bekommen.
Der Anstieg des diplomatischen Engagements, der militärischen Zusammenarbeit, der Energieabkommen, des kulturellen Austauschs und des Technologietransfers zeugt von einer Vertiefung dieser Beziehungen. Zwischen 2000 und 2021 wuchs Chinas jährlicher Handel mit Russland auf das Achtzehnfache, und dieser Prozess beschleunigte sich noch nach dem Verhängen weiterer Sanktionen gegen Russland im Jahr 2022. Die chinesisch-russische Zusammenarbeit hat sich auf die Arktis ausgeweitet, mit verstärkten gemeinsamen Anstrengungen in verschiedenen Bereichen, wie in einem Pentagon-Bericht von 2024 festgestellt wurde.
Die Bemühungen der USA, ihren schwindenden globalen Einfluss zu untermauern, stoßen auf Hindernisse, die noch über die chinesisch-russische grenzenlose Partnerschaft hinausgehen. Die Synergie, die diese Partnerschaft hervorgebracht hat, ist weitaus größer als nur die Summe ihrer Teile. Die beiden Länder gründeten die Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), die nach ihrer geografischen Ausdehnung und Bevölkerungzahl größte Regionalorganisation der Welt. Im November 2022 betonte die SOZ die Stärkung der regionalen Zusammenarbeit durch Partnerschaften mit anderen Organisationen wie der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) und dem Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN), um eine Art „Große Eurasische Partnerschaft“ zu schaffen. Als neuer Rahmen könnte die SOZ veraltete euroatlantische Modelle ersetzen, die bestimmten Staaten einseitige Vorteile gewährten. China und Russland gründeten auch die BRICS, um eine multipolare internationale Ordnung als Alternative zu der von den USA angeführten Unordnung zu fördern. Diese Plattform hat sich für die Länder des Globalen Südens als sehr attraktiv erwiesen – sie gibt ihnen eine gemeinsame Stimme, um ihre Beschwerden hinsichtlich der mangelnden Vertretung in der Weltordnung zu teilen, und erhöht ihre Fähigkeit, dem Druck, den Sanktionen und Zöllen seitens der USA zu widerstehen.
Da immer mehr Länder ihre Abhängigkeit vom US-Dollar verringern und gemeinsame Strategien austesten, um jedem US-Zwang künftig entgegenzutreten, ist es unwahrscheinlich, dass man in Washington von der Idee ablässt, einen Keil zwischen China und Russland zu treiben, weil man deren Partnerschaft als „die größte Bedrohung für lebenswichtige nationale Interessen der USA seit sechzig Jahren“ betrachtet und als die wichtigste Herausforderung für eine weiterhin von den USA dominierte internationale Ordnung.
Aus diesem Grund dürften Zweideutigkeiten und Täuschungsversuche das diplomatische Engagement der USA mit China und Russland prägen. Ein solches Engagement gilt als die vielversprechendste Möglichkeit, sowohl eine militärische Konfrontation zu vermeiden, da die USA noch nicht darauf vorbereitet sind, als auch wohl reale, aber auch imaginäre Anreize zu bieten, um sicherzustellen, dass sich die chinesisch-russische Partnerschaft nicht noch weiter vertieft.
Um dem entgegenzuwirken, was der Council on Foreign Relations (Council on Foreign Relations) als eine „Achse des Umbruchs“ bezeichnet (China, Russland, Iran und Nordkorea), empfehlen US-Analysten, sich auf das Wirtschaftswachstum im eigenen Land zu konzentrieren und gleichzeitig den Druck auf die Verbündeten zu erhöhen, dass die ihre Verteidigungsausgaben erhöhen und ihren Beitrag leisten. Und wenn sie zögern, soll die Drohung mit Zöllen sie in Angst und Schrecken versetzen und sie zur Unterwerfung zwingen.
In der Zwischenzeit werden die USA versuchen, die sogenannten „globalen Swing States“ zu fördern: Brasilien, Indien, Indonesien, Saudi-Arabien, Südafrika und die Türkei – Mittelmächte, die gemeinsam über genügend geopolitisches Gewicht verfügen, um mit ihren politischen Präferenzen die künftige Ausrichtung der internationalen Ordnung beeinflussen zu können.
Um das Ziel zu erreichen und die USA fit zu machen, damit sie der Flut entgegenwirken können, die ihr Vorherrschaft rasch untergräbt, nimmt Trumps Team die „woke“ Ideologie ins Visier und verwirft Strategien, die den sozialen Zusammenhalt und die Produktivität untergraben haben. Es befasst sich auch mit verschwenderischen Ausgaben und Ineffizienz im Pentagon und rationalisiert den Regierungsapparat. Die Entscheidung, USAID und NED zu sanieren, könnte dazu dienen, Ressourcen zu verdeckten Operationen umzulenken, insbesondere in Regionen wie Afrika oder Asien, wo Chinas „Belt and Road“-Initiative bemerkenswerte Fortschritte erzielt hat. Darüber hinaus gibt es im Zeitalter sozialer Medien, Künstlicher Intelligenz und kognitiver Kriegführung billigere und effektivere Möglichkeiten, die öffentliche Meinung zu manipulieren. Die Trump-Regierung wird auch weiterhin Zölle erheben, um ausländische Konkurrenz zu umgehen, Lieferketten wieder ins Inland zu verlagern und das Land zu reindustrialisieren. Viele Analysten erwarten jedoch, dass die Zölle die Inflation ankurbeln und das Wachstum des BIP bremsen werden.
Angesichts der weiter andauernden Hegemonie des Finanzsektors ist es höchst fraglich, ob es überhaupt möglich ist, daneben die Realwirtschaft anzukurbeln.
Im Lichte des unaufhaltsamen technologischen Fortschritts Chinas – denn Chinas Führungsrolle ist auch in den meisten Bereichen der Künstlichen Intelligenz offenkundig – sind die USA gezwungen, sich selbst kritisch zu hinterfragen.
Doch trotz all seiner Wahlversprechen wird Trump kein „neu belebtes und erneuertes Amerika“ schaffen können, und zwar aus einem einfachen Grund: Mehr Privatisierung, Deregulierung und ungezügelter Kapitalismus, rücksichtsloser Individualismus, ungezügelte Gier und Eigennutz sowie ein Staatswesen ohne jegliches Gefühl für soziale Verantwortung sind kein Heilmittel, sondern eine Krankheit. Wenn Individuen zu einem unerbittlichen Überlebenskampf gezwungen werden, verlieren sie jegliches Gefühl gemeinsamer Verantwortung. Tatsächlich führt dies zu extremer Ungleichheit und Machtkonzentration in den Händen Weniger. Außerdem werden dadurch Lebensperspektiven zerstört. In den letzten beiden Jahrzehnten ist die Zahl der Todesfälle aus Verzweiflung durch Selbstmord, Drogenkonsum und Alkoholismus dramatisch gestiegen und fordert mittlerweile jedes Jahr Hunderttausende von Todesopfern in den USA. Natürlich ist es einfacher, China als den Lieferanten von Fentanyl zu beschuldigen, statt die Ursachen des Missbrauchs zu bekämpfen.
Wie Richard Wolff betonte, „reagieren Imperien auf Phasen ihres eigenen Niedergangs oft, indem sie ihre Bewältigungsmechanismen überstrapazieren. Militärische Aktionen, Infrastrukturprobleme und Forderungen nach sozialer Fürsorge können sich dann kombinieren oder aufeinanderprallen und Kosten und Rückschläge verursachen, die das untergehende Imperium nicht bewältigen kann. Maßnahmen, die darauf abzielten, das Imperium zu stärken – und dies einst taten – untergraben es heute. Zeitgenössische soziale Veränderungen innerhalb und außerhalb des Imperiums können den Niedergang verstärken, verlangsamen oder umkehren. Wenn der Niedergang jedoch dazu führt, dass die Führer dessen Existenz leugnen, kann er sich selbst beschleunigen.“
Die Trump-Administration ist sich bewusst, dass eine groteske Truman-Show, wie sie das Biden-Team – in einem lächerlichen Versuch der Realitätleugnung – veranstaltete, den Niedergang nur beschleunigen kann. 2021 nutzte ein seniler Joe Biden seine erste Ansprache vor einem weltweiten Publikum, um zu erklären: „Amerika ist zurück, das transatlantische Bündnis ist zurück.“ Vier Jahre später, auf derselben Bühne, auf der Münchner Sicherheitskonferenz, sagte Vizepräsident J.D. Vance den Mitgliedern dieses Bündnisses, sie sollten „eingreifen, während sich Amerika auf Gebiete der Welt konzentriert, die in großer Gefahr sind.“ Er ging nicht näher auf die Gefahr ein, das war auch nicht nötig. Zwei Tage zuvor hatte der neue Pentagon-Chef Pete Hegseth sie bereits in Brüssel informiert: „Die USA legen Wert darauf, einen Krieg mit China im Pazifik abzuschrecken, erkennen die Realität der Knappheit an und gehen die Kompromisse bei den Ressourcen ein, um sicherzustellen, dass die Abschreckung nicht scheitert. Während die USA ihre Aufmerksamkeit auf diese Bedrohungen richten, müssen die europäischen Verbündeten von vorne mitgehen.“
Im Jahr 2025 ist die Welt weder bipolar wie während des Kalten Krieges noch unipolar wie in den 1990er Jahren. Das strategische Umfeld hat sich bis zur Unkenntlichkeit verändert, und die USA können nicht jedes Feld des Schachbretts beherrschen. Da man in Washington der Machtdemonstration im sogenannten Indopazifik höchste Priorität einräumt, wird das Pentagon die Streitkräfte, die es aus Europa abziehen will, dorthin umverteilen und seinen militärischen Aufmarsch in der Region beschleunigen.
Ich gehe davon aus, dass alle DIMEFIL-Instrumente (Diplomatie, Information, Militär, Wirtschaft, Finanzen, Nachrichtendienste und Legalität) in der US-Strategie und -Politik gegenüber China weiterhin eine Rolle spielen werden.
Der Wettbewerb zwischen dem US-amerikanischen und dem chinesischen System hat jedoch eine ausgeprägte kulturelle und zivilisatorische Dimension. Trumps „Revolution des gesunden Menschenverstands“ ist eine Rückkehr zu konservativen Werten, aber die Wirtschaft und die Gesellschaft sind so kaputt, dass es lange Zeit dauern wird, bis das Land wieder einen Wettbewerbsvorteil gegenüber China erlangen kann, wenn überhaupt. MAGA ist ein plumper Versuch, eine neue „Kultursoftware“ zu installieren, ohne das „Betriebssystem“ aktualisiert zu haben, und deshalb wird es scheitern.
Was eine echte Gesellschaft von einer bloßen Ansammlung von Individuen unterscheidet, ist die Kooperation – von Menschen, die zusammenarbeiten, um öffentliche Güter zu produzieren, die allen Mitgliedern der Gesellschaft zugute kommen. Obwohl Gesellschaften sich in ihrer Toleranz gegenüber Ungleichheit unterscheiden, gibt es immer einen Punkt, ab dem eine ungleiche Verteilung von Belohnungen nicht mehr legitim erscheint. Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass sie nicht ihren gerechten Anteil bekommen, verlieren sie allmählich das Vertrauen und ziehen ihre Kooperationsbereitschaft zurück. Das ist ein echtes Problem, da allgemeines Vertrauen eine entscheidende Voraussetzung für kollektives Handeln, Wirtschaftswachstum und effektive Regierungsführung ist. Allen Umfragen zufolge ist das Vertrauen der US-Amerikaner in ihre Regierung nach wie vor sehr gering (rund 22 Prozent) und nimmt seit langer Zeit im 21. Jahrhundert ab.
Wie John Gray in seinem jüngsten Buch „New Leviathans: Thoughts after Liberalism“ bemerkte: „Im Wettbewerb mit China ist der westliche Kapitalismus zum Verlieren programmiert. Nur wenn die chinesische Führung einen großen Fehler macht, kann der Westen hoffen, sich durchzusetzen. […] Systeme, in denen die Marktkräfte vom Staat gelenkt werden, haben einen inhärenten Vorteil gegenüber Systemen, in denen die Regierung von der Macht der Konzerne vereinnahmt wird.“
Übersetzt aus dem Englischen