Wo liegen die Ursachen, und welche Folgen hat der rasche Zerfall der kurdischen Autonomie in Syrien? Die Konsolidierung des türkischen Einflusses in Syrien stärkt die regionale Position des sich innerhalb der Umma formierenden Militärblocks und begünstigt somit den Aufstieg eines neuen Machtzentrums an der Schnittstelle zwischen Afrika und Eurasien, sofern die potenziellen Mitglieder ihre Beziehungen formalisieren.
Von Andrew Korybko
Die „Syrischen Demokratischen Streitkräfte“ (SDF), der von den USA unterstützte Dachverband bewaffneter syrischer Kurden der YPG, welche auch Verbindungen zur seitens der Türkei als Terroristen eingestuften PKK unterhalten, brachen am Wochenende aufgrund des koordinierten Übertritts ihrer arabischen Stammespartner rasch zusammen. Ihr geopolitisches Projekt zum Aufbau einer autonomen Region nach der sozialistisch-liberalen „demokratisch-konföderalistischen“ Idee des PKK-Gründers Abdullah Öcalan, das von den USA als regionales Spaltwerkzeug instrumentalisiert wurde, ist damit gescheitert.
Der radikale Umschwung der SDF – von der jahrelangen Herrschaft über Syriens Agrar-, Energie- und Wasserressourcen hin zu einem durch die sich rasch verändernden Umstände erzwungenen, einseitigen Waffenstillstand, durch den der Zentralstaat seine Kontrolle über diese Ressourcen und das Land wiederherstellt – lässt sich im Wesentlichen auf drei Gründe zurückführen.
Erstens war ihre bisherige Kontrolle aufgrund der Spannungen, die durch das Aufzwingen ihres sozialistisch-liberalen, „demokratisch-konföderalistischen“ Modells auf die autoritär-islamistische Stammesgesellschaft der lokalen Araber entstanden waren, somit stets instabil.
Dies führt zweitens zu dem Punkt, warum es dennoch bis jetzt keine Massendesertionen gab: Dies lag an der militärischen Unterstützung der SDF durch die USA, die erst unter Trump 2.0 endete. Seine neue nationale Sicherheitsstrategie räumt Westasien nur noch eine geringere Priorität ein und zielt insgesamt darauf ab, ausländische Verwicklungen zu vermeiden. Die regionale Keilfunktion der SDF gegenüber Irans lokalen Verbündeten, Syrien und der Türkei, war somit überholt. Das erklärt, warum die USA die Auflösung ihres geopolitischen Projekts nicht verhinderten, sondern tatenlos zusahen.
Der dritte Grund dafür war, dass der bewaffnete kurdische Kern der SDF sich verkalkulierte, indem auch er die USA für einen verlässlicheren Verbündeten als Assad hielt. Hätten sie die USA im Stich gelassen, bevor diese sie im Stich ließen, hätten sie möglicherweise eine Einigung über den Erhalt eines Teils ihrer autonomen Region erzielen können. Der neue syrische Präsident Ahmed Sharaa erließ zwar kurz vor den Ereignissen dieses Wochenendes ein Dekret, das den Kurden Sprachrechte und die Staatsbürgerschaft gewährte, doch das ist nicht dasselbe wie die politisch-territoriale Autonomie, für die viele Kurden ihr Leben opferten.
Nachdem die Ursachen für die rasche Auflösung der kurdischen Autonomie in Syrien erläutert wurden, ist es nun an der Zeit, die Folgen zu betrachten. In erster Linie ist dies ein bedeutender geostrategischer Sieg für die Türkei. Sie hat die militärisch-territoriale Bedrohung durch die mit der PKK verbündeten und mit Israel sympathisierenden bewaffneten syrischen Kurden beseitigt, ihr Ziel der Unterwerfung Syriens weiter vorangebracht und kann sich nun verstärkt auf die Ausweitung ihres Einflusses nach Osten, bis nach Zentralasien, konzentrieren. Die ersten beiden Ergebnisse gefährden israelische Interessen, das letzte diejenigen Russlands.
Eine Verschärfung der israelisch-türkischen Rivalität in Syrien ist für Tel Aviv bereits besorgniserregend genug – erst recht, wenn Ankara dies durch eine mögliche Mitgliedschaft im pakistanisch-saudischen Bündnis ausnutzt, um Druck von Pakistan und möglicherweise auch von einem potenziellen Mitglied Ägypten auszuüben. Diese entstehende „islamische NATO“, bestärkt durch die Siege im Südjemen und in Syrien, könnte die militärische Zusammenarbeit in der Levante (Syrien und möglicherweise Jordanien) und vielleicht eines Tages auch in Zentralasien (Kasachstan) ausweiten, um Israel und Russland zu bedrohen.
Die Festigung des türkischen Einflusses in Syrien stärkt die Position des sich innerhalb der Umma formierenden Militärbündnisses und begünstigt somit den Aufstieg eines neuen Machtzentrums an der Schnittstelle zwischen Afrika und Eurasien, sofern die potenziellen Mitglieder ihre Beziehungen formalisieren. Die USA billigen dies stillschweigend und betrachten eine „islamische (arabisch-pakistanisch-türkische) NATO“ vermutlich als den entscheidenden Keil, um die östliche Hemisphäre aufgrund ihrer geostrategischen Lage und der inhärenten Differenzen mit Russland, Indien, Israel, der EU und Subsahara-Afrika weiterhin zu spalten.
Übersetzt aus dem Englischen
